Willkommen bei FREEDOM looks good on you! #1
Ein Ort für Frauen, die sich nicht länger danach richten wollen, wer sie glauben sein zu müssen.
Schön, dass du hier bist.
Ich bin Marina Menges – Psychologin, systemische Therapeutin und Coachin.
Und ich möchte diesen ersten Artikel mit einem Gefühl beginnen, über das wir erstaunlich wenig sprechen, obwohl es unser Leben an so vielen Stellen beeinflusst:
Scham.
Nicht nur die offensichtliche Scham, bei der wir am liebsten im Boden versinken würden.
Sondern diese leisere Form.
Die Scham, die sich als Selbstzweifel zeigt.
Als Anpassung.
Als Perfektionismus.
Als das Gefühl, nicht genug zu sein.
Oder gleichzeitig irgendwie zu viel.
Die uns zweimal überlegen lässt, ob wir wirklich sagen dürfen, was wir wollen.
Die dafür sorgt, dass wir Ja sagen, obwohl wir Nein meinen.
Die uns Verantwortung für die Gefühle anderer übernehmen lässt.
Und die manchmal sogar bestimmt, wie viel von uns selbst wir überhaupt zeigen.
Vielleicht erkennen wir sie deshalb so selten. Weil Scham nicht immer aussieht wie Scham.
Wenn Anpassung zur Gewohnheit geworden ist
Viele Frauen, mit denen ich arbeite, würden sich selbst wahrscheinlich nicht als besonders schambehaftet beschreiben.
Sie funktionieren. Sie treffen Entscheidungen. Sie kümmern sich. Sie arbeiten. Sie führen Beziehungen. Sie übernehmen Verantwortung. Sie wirken nach außen häufig selbstbewusst und souverän.
Und trotzdem gibt es Situationen, in denen plötzlich etwas passiert.
Ein kritischer Blick. Eine Bemerkung. Jemand ist enttäuscht. Eine Grenze müsste ausgesprochen werden. Ein Fehler passiert.
Oder sie möchten etwas, das nicht zu dem passt, was andere von ihnen erwarten.
Und auf einmal wird aus einem eigentlich kleinen Moment innerlich etwas sehr Großes.
War das falsch von mir? Bin ich egoistisch? Was denken die jetzt über mich? Habe ich jemanden enttäuscht? Warum bekomme ich das nicht besser hin? Vielleicht bin ich einfach zu empfindlich. Ich hätte das anders machen müssen.
Und manchmal: Mit mir stimmt etwas nicht.
Genau hier wird Scham interessant. Denn Scham sagt nicht nur:
„Ich habe etwas falsch gemacht.“
Sie kann sich viel tiefer anfühlen:
„Mit mir ist etwas falsch.“
Und dieser Unterschied verändert unglaublich viel.
Scham beeinflusst, wie wir uns selbst sehen.
Scham ist ein zutiefst menschliches Gefühl. Sie entsteht nicht einfach deshalb, weil wir „zu unsicher“ sind. Wir lernen sehr früh, was in unserer Umgebung erwünscht ist und was nicht.
Wofür bekommen wir Nähe?
Wann erleben wir Ablehnung?
Wann werden wir kritisiert, belächelt oder beschämt?
Wann sind wir „lieb“, „vernünftig“, „stark“ oder „pflegeleicht“?
Und welche Seiten von uns scheinen weniger willkommen zu sein?
Unsere Wut vielleicht. Unsere Lautstärke. Unsere Bedürfnisse. Unsere Sexualität. Unser Ehrgeiz. Unsere Verletzlichkeit.Unser Nein.
Oder einfach der Wunsch, etwas ganz anders zu machen als die Menschen um uns herum. Wir lernen daraus. Nicht unbedingt bewusst.
Wir entwickeln Strategien, um dazuzugehören, Beziehungen zu schützen und uns sicher zu fühlen.
Und irgendwann können diese Strategien so selbstverständlich werden, dass wir sie mit unserer Persönlichkeit verwechseln.
Dann sagen wir:„So bin ich eben.“ Obwohl die spannendere Frage vielleicht wäre:
Bin ich wirklich so – oder habe ich irgendwann gelernt, so sein zu müssen?
Scham ist nicht immer laut. Manchmal zeigt sie sich darin, dass du dich sofort rechtfertigst. Manchmal darin, dass du Konflikte vermeidest. Dass du dich vergleichst. Dass ein Fehler dich unverhältnismäßig lange beschäftigt. Dass du ein Kompliment nicht wirklich annehmen kannst. Dass du dich klein machst, bevor es jemand anderes tun könnte. Dass du dich schuldig fühlst, sobald du eine Grenze setzt. Oder darin, dass du sehr genau beobachtest, wie andere auf dich reagieren.
Scham kann sogar hinter Perfektionismus stecken.
Denn wenn ein Fehler sich nicht einfach wie ein Fehler anfühlt, sondern etwas darüber auszusagen scheint, wer ich bin, bekommt Perfektion plötzlich eine ganz andere Funktion.
Dann geht es nicht mehr nur darum, etwas gut zu machen.
Es geht darum, sich vor etwas zu schützen.
Vor Kritik. Vor Ablehnung. Vor Bloßstellung.
Vielleicht sogar vor dem Gefühl:
Ich bin nicht gut genug.
Und genau hier beginnt für mich Freiheit
Freiheit bedeutet für mich nicht, keine Scham mehr zu empfinden.
Und sie bedeutet auch nicht, irgendwann vollkommen unabhängig davon zu sein, was andere Menschen über uns denken.
Wir sind soziale Wesen.
Wir wollen dazugehören.
Wir brauchen Beziehungen.
Und natürlich berührt es uns, wie andere Menschen uns sehen.
Freiheit beginnt für mich an einer anderen Stelle.
Dort, wo wir anfangen zu erkennen:
Ah. Da passiert gerade etwas in mir.
Wo wir nicht jeden Gedanken sofort für die Wahrheit halten.
Für mich liegt genau darin Selbstbestimmung. Nicht darin, immer mutig zu sein. Nicht darin, niemanden mehr zu brauchen. Und schon gar nicht darin, vollkommen „geheilt“ durchs Leben zu laufen.
Sondern darin, immer häufiger zu erkennen, was in mir wirkt – und dann entscheiden zu können, wie ich damit umgehen möchte.
Und vielleicht beginnt Freiheit genau dort.
FREEDOM looks good on you, deine Marina