10 Sätze aus deiner Kindheit, die Scham ausgelöst haben können #3

Vielleicht wurdest du als Kind nie angeschrien und auch nie geschlagen. Vielleicht hattest du sogar liebevolle Eltern.

Und trotzdem kann Scham Teil deiner Geschichte geworden sein.

Denn Scham entsteht nicht nur durch große Verletzungen. Manchmal entsteht sie in ganz alltäglichen Situationen - durch Sätze, Blicke, Vergleiche oder gut gemeinte Korrekturen.

Sätze wie:

“Was sollen bloß die Nachbarn denken?”

“Sprich leiser, die Nachbarn können dich hören.”

“Hör auf, die Nachbarn gucken schon.”

“Das tun normale Kinder nicht - nur du.”

“Das machen Mädchen nicht / Das tun Jungs nicht.”

“Die Bettine isst aber nicht so viel wie du.”

“Der Kevin ist schneller, besser, fleißiger als du.”

“We läufst du wieder rum?”

“Was sollen bloß andere von dir denken?”

“Schau dich mal an, wie du heute wieder aussiehst.”

Wenn aus “Das war nicht richtig” ein “Mit mir stimmt etwas nicht” wird.

Das Entscheidende an Scham ist: Sie bezieht sich nicht nur auf unser Verhalten, sondern kann unser Bild von uns selbst berühren.

Ein Kind hört dann möglicherweise nicht nur: “Dieses Verhalten ist gerade unpassend” sondern erlebt auch: “So, wie ich bin, bin ich falsch.”

Ich bin zu laut. Ich bin zu viel. Zu wild. Zu dick. Zu faul. Ich bin nicht so, wie ich sein sollte.

Besonders Vergleiche und die ständige Frage danach, was andere denken könnten, können dazu beitragen, dass ein Kind beginnt, unsicher zu werden und sich selbst von außen zu betrachten und den Kontakt zu sich selbst verliert.

Das Kind fragt sich dann nicht mehr: Was fühle ich?

Sondern: Wie wirke ich auf andere? Falle ich negativ auf?

Und genau diese innere Orientierung kann uns bis ins Erwachsenenleben begleiten.

Es geht nicht darum, Eltern schuldig zu sprechen.

Es geht darum, zu erkennen, welche Botschaft wir übernommen haben - und ob wir sie heute noch brachen, bzw. ob wir sie heute noch beherzigen möchten.

Denn ein Satz aus deiner Kindheit muss nicht zu deiner inneren Stimme für den Rest deines Lebens werden. Vielleicht darfst du heute beginnen zu unterscheiden:

“Ist das wirklich meine Überzeugung? Oder ist das eine alte Stimme, die ich irgendwann üernommen habe?”

Scham verliert einen Teil seiner Macht, wenn wir beginnen, sie wahrzunehmen und über sie zu sprechen.

Und vielleicht beginnt Freiheit manchmal genau dort: Wo die Frage “Was denken die anderen?” langsam ersetzt wird durch: “Was ist für mich eigentlich stimmig?”

FREEDOM looks good on you, deine Marina

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